Was bedeutet es, in einem neuen Land anzukommen – und was braucht es, um bleiben zu können?
Hunderttausende Ukrainerinnen und Ukrainer sind seit 2022 nach Deutschland geflohen – viele mit der Hoffnung auf Rückkehr, andere mit dem Wunsch zu bleiben. Doch was bestimmt ihre Entscheidung? Welche Rolle spielen Arbeit, Familie, Integration? Und wie gelingt der Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt?
Im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften 2025 lud MIDEM zu einem Gespräch mit Expert:innen, Praktiker:innen und Geflüchteten ein. Neben wissenschaftlichen Einblicken aus aktuellen Forschungsprojekten und Beispielen aus der Praxis berichteten Ukrainerinnen und Ukrainer selbst von ihren Erfahrungen und Herausforderungen.
Nach einem kurzen Eingangsstatement von Felix Hormig (MIDEM), eröffnete Dr. Yuliya Byelikova, ukrainische Soziologin und Wissenschaftlerin am Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM), die Veranstaltung mit einem Impulsvortrag. Im Mittelpunkt ihres Beitrags standen die Fragen, unter welchen Bedingungen ukrainische Geflüchtete in Deutschland bleiben möchten bzw. über eine Rückkehr in die Ukraine nachdenken.
Im Anschluss berichteten Natalija Bock (Plattform Dresden e. V.) und Dr. Sebastian Ramisch-Paul (Hannah-Arendt-Institut) in einem gemeinsamen Beitrag aus ihrer praktischen Arbeit mit ukrainischen Geflüchteten in Dresden. Besonderes Augenmerk lag dabei auf dem Verbindungsbüro des Ukrainischen Koordinationszentrums, das als Schnittstelle zwischen Geflüchteten und Integrations- bzw. Arbeitsmarktangeboten fungiert. Anhand konkreter Fallbeispiele wurde aufgezeigt, wie Unterstützung und Orientierung im Alltag sowie beim Zugang zum Arbeitsmarkt geleistet werden kann.
In der anschließenden Diskussionsrunde brachte Dr. Markus Reichel, Bundestagsabgeordneter und Unternehmer, seine Perspektive ein – unter anderem im Hinblick auf die Bedarfe und Erwartungen der mittelständischen Wirtschaft, aktuelle politische Maßnahmen zur Arbeitsmarktintegration, die Rolle von Kommunen sowie die gesellschaftspolitische Debatte rund um das Bürgergeld.
Neben interessierten Gästen und Studierenden nahmen auch ukrainische Geflüchtete aus der Dresdner Community teil, die sich aktiv in die Diskussion einbrachten und eigene Erfahrungen teilten.
Wir bedanken uns herzlich bei allen Teilnehmenden und unseren Kooperationspartnern, der Plattform Dresden e. V. und dem Hannah-Arendt-Institut!
Programm
Begrüßung
Impulsvortrag
Dr. Yuliya Byelikova (MIDEM): „Return (im)mobility of Ukrainian refugees in Germany“
Praxisbericht
Natalija Bock (Plattform Dresden e.V. Ukrainisches Haus) & Dr. Sebastian Ramisch-Paul (Hannah-Arendt-Institut):
„Das Verbindungsbüro des Ukrainischen Koordinationszentrums als Praxisbeispiel für die (Arbeits-)Integration ukrainischer Schutzsuchender in Dresden“
Gesprächsrunde
Natalija Bock
Dr. Yuliya Byelikova
Dr. Sebastian Ramisch-Paul
Dr. Markus Reichel, MdB
Ukrainerinnen und Ukrainern aus Dresden
Publikumsdiskussion (Q+A)
Moderation: Felix Hormig (MIDEM)
Dr. Yuliya Byelikova ist Fellow der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bei MIDEM und erforscht in ihrem Projekt „War (im)mobility“ die emotionalen und sozialen Faktoren, die Entscheidungen ukrainischer Bürger:innen zum Bleiben oder zur Flucht beeinflussen. Zuvor war sie außerordentliche Professorin für soziale Kommunikation in Charkiw und unter anderem am Max-Planck-Institut tätig.
Natalija Bock ist Vorsitzende der Plattform Dresden e.V. Ukrainisches Haus und engagiert sich seit Jahrzehnten für humanitäre Hilfe für die Ukraine. Mit dem Ukrainischen Koordinationszentrum und dem Ukrainischen Haus in Dresden schafft sie Räume für Begegnung, Aufklärung und Integration geflüchteter Ukrainer:innen.
Dr. Sebastian Ramisch-Paul ist stellvertretender Vorsitzender der Plattform Dresden e.V. Ukrainisches Haus und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT). Seine Forschungsschwerpunkte bilden die historische Sicherheitsforschung und Demokratiegeschichte mit Fokus auf Polen, die Tschechoslowakei und Ungarn in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Dr. Markus Reichel ist Abgeordneter der Fraktion CDU-CSU im Bundestag für den Wahlkreis Dresden und promovierter Wirtschaftsmathematiker mit langjähriger Erfahrung als Unternehmer. Er engagiert sich besonders für Mittelstandspolitik, Technologie und Außenwirtschaft.
Felix Hormig (Moderator) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM). Zu seinen Forschungsinteressen gehören die Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten, Populismus sowie die Ursachen von Verschwörungsdenken in der Gesellschaft.
