Affektive Polarisierung prägt in zunehmendem Maße gesellschaftliche und politische Auseinandersetzungen und stellt liberale Demokratien vor erhebliche Herausforderungen. Gemeint ist damit die emotionale Aufladung politischer Konflikte: In ohnehin kontroversen Debatten – etwa zu Migration oder Klimapolitik – treten Gefühle der Zugehörigkeit zu Gleichgesinnten ebenso hervor wie Misstrauen, Ablehnung oder Feindseligkeit gegenüber Andersdenkenden.
Affektive Polarisierung ist dabei keineswegs per se demokratieschädlich. Sie verweist darauf, dass politische Fragen als bedeutsam erlebt werden – und ist insofern eine Grundbedingung von öffentlichem Streit und demokratischem Diskurs. Gleichwohl zeigen aktuelle Entwicklungen, dass etablierte deliberative Verfahren angesichts zunehmender emotionaler Zuspitzung an ihre Grenzen stoßen. Ein hohes Maß an affektiver Polarisierung kann ein verfestigtes „Wir-gegen-sie“-Denken hervorbringen, das Dialogbereitschaft, Kooperation und soziale Integration untergräbt – und unter bestimmten Bedingungen Intoleranz, Eskalation und politische Gewalt begünstigt.
Vor diesem Hintergrund widmet sich die Tagung „(De-)Polarisierung verstehen – Herausforderungen für Politik, Medien und Gesellschaft“ einer differenzierten Analyse gegenwärtiger Polarisierungsdynamiken in Deutschland.
Ausgangspunkt der Veranstaltung sind aktuelle empirische Befunde von MIDEM, die sowohl das Ausmaß und die Struktur politischer und gesellschaftlicher Polarisierung als auch Ansätze zu ihrer Abschwächung untersuchen. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf affektiver Polarisierung, und auf der Frage, welche institutionellen, kommunikativen und deliberativen Strategien geeignet sind, affektive Polarisierung so zu bearbeiten, dass gesellschaftliche Konflikte politisch und demokratisch verhandelt werden können.
Dafür werden Perspektiven aus Wissenschaft, Politik, Medien und Zivilgesellschaft in Dialog gebracht. Diskutiert werden insbesondere:
- Potenziale und Grenzen dialogischer Beteiligungsformate auf kommunaler Ebene,
- die Rolle journalistischer, wissenschaftlicher und politischer Eliten in Polarisierungspro-zessen,
- sowie politische und gesellschaftliche Konsequenzen aktueller Polarisierungsbefunde für den demokratischen Umgang mit Konflikten.
Die Tagung versteht sich als analytisches Forum für den Austausch zwischen Forschung und Praxis. Sie richtet sich an Akteure aus Wissenschaft, politischer Bildung, Medien, Verwaltung und Zivilgesellschaft, die an einer empirisch fundierten Einordnung gesellschaftlicher Polarisierung und an tragfähigen Strategien zu ihrer Bearbeitung interessiert sind.
Die Veranstaltung findet am 22. April 2026 im Publix (Hermannstraße 90) in Berlin mit Unterstützung der Stiftung Mercator statt.
Ein Empfang im Anschluss bietet Gelegenheit zur vertiefenden Diskussion und Vernetzung.