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Aktuelles


25.03.2021, Sächsische.de

CoronaCast: Wie gut werden wir regiert?

Im Podcast von Säsische.de analysiert MIDEM-Direktor Hans Vorländer die brisanten Entwicklungen der letzten Woche.

Steigende Infektionszahlen und ein bemerkenswerter Vorgang in der Politik prägen die aktuelle Corona-Lage in Deutschland. Während sich Inzidenzwerte alle zwei Wochen zu verdoppeln scheinen, versuchen Bund und Länder der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklung irgendwie entgegenwirken. Die Idee der "Osterruhe" ist entstanden, die im Rückblick aber mehr Unruhe gebracht hat. Zu viel sei ungeklärt gewesen und hätte sich nicht schnell regeln lassen. "Es war mein Fehler", sagt Kanzlerin Angela Merkel und bittet bei ihrem Statement am Mittwoch in Berlin die Bevölkerung um Entschuldigung. Der Politikwissenschaftler, Hans Vorländer, beschreibt den Auftritt sinnbildlich in einem Wort, das Merkel zu früheren Anlässen prägend genutzt hat: "Alternativlos war es", so Vorländer im CoronaCast, dem Podcast von Sächsische.de zur Pandemie. Die Situation sei derart verfahren gewesen, dass ein Ausweg nur in einem großen Befreiungsschlag zu finden gewesen sei.

Vorländer analysiert im Podcast-Gespräch die Vorgänge, die zum schnellen Scheitern der "Osterruhe"-Pläne geführt haben. Bei aller Kritik daran schlussfolgert der Wissenschaftler jedoch auch, dass die Politik vor dem Hintergrund sinkender Zustimmung nun mutige Entscheidungen treffen müsse. "Es geht nicht mehr nur mit harten Lockdowns weiter. Das ist allen klar." Eine Perspektive sieht Vorländer in regional angepassten Öffnungsschritten in Kombination mit einer funktionierenden Test- und Impfstrategie. Außerdem gibt Vorländer in dem Podcast eine Einschätzung zur Krisenarbeit der sächsischen Regierung, insbesondere zur Zusammenarbeit zwischen Land und Kommunen. Es geht um das Tempo der Corona-Impfung, das schleppende Vorankommen bei der Teststrategie sowie die möglichen Folgen der aktuellen Entwicklungen auf den Ausgang der Bundestagswahl im September.

Hier können Sie den Podcast hören.

Hier finden Sie den gesamten Artikel der Sächsisch.de.


23.03.2021

Deutsche Lehrpläne halten mit der Realität der Einwanderungsgesellschaft nicht Schritt

Neue MIDEM-Studie zeichnet ein differenziertes Bild über die Bedeutung und Rolle von Migration und Integration in den Lehrplänen deutscher Schulen.

Die Themen Migration und Integration haben in den Lehrplänen deutscher Schulen Eingang gefunden, spiegeln allerdings die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft nicht angemessen wider. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Mercator Forum Migration und Demokratie, die im Auftrag der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, verfasst wurde. Der Studie zufolge finden zentrale Etappen der jüngeren deutschen Migrationsgeschichte – von der Gast- und Vertragsarbeiteranwerbung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts über die Zuwanderung von sog. Spätaussiedlern bis hin zur Fachkräftemigration – nur selten Erwähnung. Dagegen werden Migrationsphänomene oft mit krisenhaften Entwicklungen wie Flucht und Vertreibung verknüpft. Damit steht die Darstellung der Migration und Integration in den Lehrplänen nicht im Zeichen gesellschaftlicher Normalität. Auch migrationsbedingte Vielfalt und Fragen nach Identität und Zugehörigkeit werden nur selten thematisiert.

„Dabei geht es bei der Bildung in einer vielfältigen Gesellschaft“, so MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer, „auch um die Sichtbarmachung individueller und kollekti­ver Migrationsgeschichten. Migrationsbedingte Vielfalt ist längst Bestandteil unserer gesellschaftlichen Normalität. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einer familiären Einwanderungsgeschichte – auch aus den Staaten der Europäischen Union - wächst beständig.“

Aufgrund der Ergebnisse der Studie empfehlen die Autorin und die Autoren, Migration, Vielfalt und In­tegration in den Lehrplänen explizit und auf der Ebene der prüfungs­relevanten Sachinhalte zu verankern. Zudem sollte eine Einbindung von Lehrkräften mit Migrationsgeschichte und migrations­pädagogischen Fachdidaktikerinnen und -di­daktikern in den Prozess der Überarbeitung von Lehrplänen sichergestellt werden. Die Lehrplankommissionen der Länder sollten sich dabei bundesweit vernetzen und stärker in den Erfahrungsaustausch gehen.

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz: „Ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Diese Vielfalt gehört schon längst zum selbstverständlichen Alltag in den Schulen und Klassenzimmern. Wichtig ist, dass diese Vielfalt mit all ihren Chancen und Herausforderungen auch im Schulunterricht und in den Lehrmaterialien zum Thema gemacht wird. Wertvolle Hinweise, wie das gelingen kann, gibt die neue Lehrplanstudie Migration und Integration des Mercator Forum Migration und Demokratie.“

Im Rahmen der Studie führte das Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) eine umfassende Bestandsaufnahme der Lehrpläne durch. Hierfür wurden die Fächer Geographie, Geschichte und Politik/Gemeinschaftskunde der Klassenstufen sieben bis zehn der Länder Bayern, Berlin und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, sowie die Schulgesetze und einschlägigen Beschlüsse der Kultusministerkonferenz analysiert. Darüber hinaus wurden leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Expertinnen und Experten der Lehrplanentwicklung und der Lehrkräftefortbildung und - vor allem - den Lehrkräften selbst durchgeführt und ihre Perspektiven in die Studie mit aufgenommen. Die Ergebnisse der Interviews sind nicht repräsentativ, geben jedoch Einsicht in die unterschiedlichen Perspektiven auf Lehrpläne.

Die „Lehrplanstudie Migration und Integration“ wird am 21. April 2021 in einer Fachveranstaltung öffentlich vorgestellt. Sie liefert Handlungsempfehlungen, wie Lehrpläne diversitätssensibler gestaltet werden können und ihre Umsetzung in die schulische Praxis besser funktionieren kann.

Die Pressemitteilung kann hierheruntergeladen werden.


15.02.2021

Vom 09.-10. März 2021 findet die Frühjahrstagung der Sektion „Politische Theorie und Ideengeschichte“ zum Thema „Migration – Herausforderungen im Spannungsfeld von Theorie und Praxis“ statt. Die Tagung wird digital via Zoom durchgeführt und steht allen Interessierten offen, richtet sich jedoch besonders an Politiktheoretikerinnen und Politiktheoretiker.

Im Zuge der ‚Flüchtlingskrise‘ haben sich Politiktheoretikerinnen und Politiktheoretiker vermehrt Fragen der Migrationspolitik zugewandt und dabei sowohl Ursachen als auch Auswirkungen der Migration kritisch beleuchtet. Ziel dieser Tagung ist es, eine Zwischenbilanz zu ziehen und ein Forum für eine Diskussion von Fragen zu bieten, die an der Schnittstelle zwischen normativer Reflexion und empirischer Analyse liegen. Einer der Höhepunkte der Tagung wird das Gespräch zum Thema deutsche und europäische Migrationspolitik mit Bundesminister a.D. Dr. Thomas de Maizière.

Zur Veranstaltungsseite und dem Programm gelangen Sie hier.


Fachkommission Integrationsfähigkeit übergibt Bericht an Bundesregierung

20.01.2021

Am 20. Januar 2021 übergab die Fachkommission Integrationsfähigkeit, der auch der Direktor von MIDEM, Herr Professor Hans Vorländer angehört, ihren Bericht an die Bundesregierung. Die Ergebnisse von zwei Jahren intensiver Beratungen wurden im Zuge einer Pressekonferenz und im Anschluss im Rahmen einer Fachveranstaltung der Fachkommission der Öffentlichkeit vorgestellt.

Auf der Website finden Sie neben Informationen zur Fachkommission und weiteren Mitgliedern auch Informationen zum Bericht, Kurzfilme und Dokumente zum Download, u.a. den Bericht, die Kernbotschaften (in verschiedenen Sprachen) sowie die von der Fachkommission beauftragten Expertisen.


EMIGRATION IN EUROPA - Ergebnisse des MIDEM Jahresberichtes 2020

08.12.2020


08.12.2020

Pressemitteilung zum 3. MIDEM-Jahresbericht

Abwanderung innerhalb Deutschlands stärkt die AfD – Vom Wegzug ins Ausland können Rechtspopulisten in ganz Europa hingegen kaum profitieren

Neue MIDEM-Studie untersucht Auswirkungen von Ab- und Auswanderung auf Wahlerfolge rechtspopulistischer Parteien in Europa

Je stärker eine Region in Deutschland in den vergangenen drei Jahrzehnten von Abwanderung betroffen war, umso besser schneidet dort heute die AfD bei Wahlen ab. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie des Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM), die heute in Dresden veröffentlicht wird. Der Zusammenhang zwischen Abwanderung und AfD-Wahlergebnissen besteht unabhängig von anderen soziodemographischen und sozioökonomischen Faktoren wie Bevölkerungsdichte, Bruttoinlandsprodukt pro Kopf oder Arbeitslosenquote und ist in Westdeutschland sogar noch etwas stärker ausgeprägt als in Ostdeutschland. Für Ostdeutschland ist die zeitliche Dimension bemerkenswert: die erste Abwanderungswelle unmittelbar nach der Wiedervereinigung fällt deutlich weniger ins Gewicht als die Wegzüge nach der Jahrtausendwende.

„Dieses Ergebnis legt nahe, dass die Stärke der AfD auch mit den Verlustgefühlen der Zurückgebliebenen zu tun hat, die vor Ort die Folgen einer Ausdünnung der sozialen Infrastruktur spüren. Die damit verbundene Frustration kann sich die AfD zunutze machen“, bewertet MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer diesen Befund.

Die diesjährige MIDEM-Studie zeigt aber auch: Nicht jede Form der Abwanderung wirkt in gleicher Weise. Von hohen Wegzugsraten ins Ausland etwa können rechtspopulistische Parteien in Europa kaum profitieren. Im Gegenteil: Dort, wo viele Menschen auswandern, schneiden Rechtspopulisten tendenziell schlechter ab. Offensichtlich wirkt sich der Wegzug ins Ausland anders auf das Wahlverhalten der Einheimischen aus als Umzüge innerhalb des Landes bzw. Abwanderung aus ländlichen Regionen in die Städte. Denkbar ist, dass die Erfahrung von innereuropäischer Mobilität ein wichtiger Faktor für den Abbau nationalistischer Vorurteile ist. Allerdings ist hier der Kontext entscheidend: In wirtschaftlich schwachen Regionen können hohe Auswanderungsraten rechten Parteien nämlich durchaus zu Stimmengewinnen verhelfen.

Die Forscherinnen und Forscher des Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) haben zudem untersucht, wie das Thema Emigration im politischen und medialen Diskurs jener EU-Länder behandelt wird, die von Auswanderung betroffen sind. Auffallend ist, dass Emigration selten gezielt politisiert wird.  

„Dass die europäische Binnenmigration bislang nicht als Treiber der Polarisierung dient, ist zu begrüßen. Innereuropäische Freizügigkeit und die durch sie ermöglichten Formen des Austauschs und der Begegnung gehören wesentlich zum europäischen Zusammenhalt, für den wir uns als Stiftung einsetzen. Daran zu erinnern ist gerade in Zeiten pandemiebedingt eingeschränkter Bewegungsfreiheit wichtig“, sagt Dr. Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator.

In mittel-, ost- und südeuropäischen Ländern greifen Parteien das Thema Auswanderung eher selten auf. Anders als das Thema Einwanderung polarisiert Auswanderung die europäischen Parteienlandschaften kaum. Wenn sie es aufgreifen, wird Auswanderung über Parteigrenzen hinweg meist als soziales und ökonomisches Problem dargestellt. Linke Parteien prangern dabei insbesondere die hohe Arbeitslosigkeit und prekäre Arbeitsverhältnisse an, die junge Menschen zur Emigration bewegen. Rechte Parteien sehen die Ursachen der Auswanderung nicht nur in der Verschlechterung der wirtschaftlichen Grundlagen, sondern auch in der Veränderung politisch-kultureller Orientierungen in ihren Gesellschaften.

Die Pressemitteilung kann hier heruntergeladen werden.


Aktuelle Medienbeiträge

09.04.2021, Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Nach geplatztem Corona-Gipfel: Das plant Kanzlerin Merkel
mit Statements von Hans Vorländer

09.04.2021, Mannheimer Morgen
Merkels Bund-Länder Kampf
mit Statements von Hans Vorländer

09.04.2021, Berliner Morgenpost
Nach geplatztem Corona-Gipfel: Das plant Kanzlerin Merkel
mit Statements von Hans Vorländer

02.04.2021, Deutschlandfunk
Ein neues Bündnis rechtsgerichteter Parteien in Europa?
mit Statements von Hans Vorländer

30.03.2021, MDR AKTUELL
Juristen: Bund kann beim Infektionsschutz nicht einfach durchgreifen
mit Statements von Hans Vorländer

Weitere Medienbeiträge finden Sie hier.


Mercator Forum Migration und Demokratie

In den letzten Jahrzehnten hat sich die demographische Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Zuwanderung deutlich gewandelt. Die Zahl der Einwanderer ist in Europa spürbar gewachsen, und insbesondere in den vergangenen drei Jahren hat das Thema Migration in den Gesellschaften Europas zu neuen politischen Polarisierungen geführt. Die politischen und sozialen Herausforderungen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar. Notwendig sind Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Migration und Demokratie erforschen.

Das Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM) fragt danach, wie Migration demokratische Politiken, Institutionen und Kulturen prägt und zugleich von ihnen geprägt wird. Untersucht werden Formen, Instrumente und Prozesse politischer Verarbeitung von Migration in demokratischen Gesellschaften – in einzelnen Ländern und im vergleichenden Blick auf Europa.

MIDEM ist ein Forschungszentrum der Technischen Universität Dresden, gefördert durch die Stiftung Mercator. Es wird von Prof. Dr. Hans Vorländer, TU Dresden, geleitet.

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