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Aktuelles


09.09.2020

Populismus – Alles nur Parolen?

Vortragsreihe mit Prof. Dr. Hans Vorländer und den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern von MIDEM

Populismus ist populär. Vertreterinnen und Vertreter von Parteien bezeichnen sich gegenseitig gern als Populisten. Sie unterstellen einander manipulative Absichten und vereinfachte Fakten als vermeintliche Wahrheiten zu verbreiten. Auch der beliebte Stammtisch hat sich inzwischen in der öffentlichen Wahrnehmung vom gemütlichen Abend zur populistischen Keimzelle entwickelt. Welche Formen des Populismus es gibt, wie sie entstehen und welche Rolle dabei auch die Migration spielt, untersucht das Team des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM) um Prof. Dr. Hans Vorländer.

Im Rahmen der durch die Sächsische Landeszentrale für politische Bildung initierten und in Kooperation mit dem Sächsischen Volkshochschulverband  realisierten Veranstaltungsreihe 'Kontrovers vor Ort', beleuchten die Referentinnen und Referenten an je verschiedenen Veranstaltungstagen und -orten zahlreiche Fragestellungen im Hinblick auf die Gefahren des Populismus für die Demokratie, seine Abgrenzung zum Extremismus und die aktuellen Entwicklungen in Europa unter besonderer Berücksichtigung der West-Ost-Unterschiede. Exemplarisch wird darüber hinaus auch der Aufstieg populistischer Parteien analysiert, um abschließend gemeinsam mit dem Publikum mögliche Gegenstrategien zu entwerfen. Weitere Informationen zu Vortragsterminen und –orten finden Sie hier.


08.09.2020

MIDEM führt Studie zu Migration und Integration im schulischen Kontext durch

In den kommenden acht Monaten wird das Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) an der TU Dresden eine Studie zur Bedeutung und Rolle von Migration und Integration in den Lehrplänen erstellen. Auftraggeber ist die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz. Lehrpläne der Jahrgangsstufen 7 bis 10 in den Bundesländern Bayern, Berlin, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen werden analysiert und Interviews mit Lehrkräften und Mitarbeitenden in Kultusministerien sowie mit Experten und Expertinnen aus der Lehrkräftefortbildung geführt.

Die Studie zu Migration und Integration soll neben den Forschungsergebnissen auch Handlungsempfehlungen zur Um- beziehungsweise Neugestaltung von Lehrplänen geben. Prof. Dr. Hans Vorländer, Direktor von MIDEM, betont: „Lehrpläne stellen eine zentrale inhaltliche Vorgabe für das bereit, was in den Klassenräumen gelehrt und gelernt werden soll. Es ist wichtig, hier genau hinzusehen, denn was in der Schule gelehrt wird, wird von den Kindern als gültige Realität erachtet. Für das Gelingen von Integration sind die Lehrinhalte an Schulen extrem wichtig.“

Integrationsministerin Anette Widmann-Mauz: „Heute hat jede und jeder Vierte in Deutschland eine familiäre Einwanderungsgeschichte. Vielfalt ist längst Normalität, in den Klassenzimmern, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft. Sie hat unser Land wesentlich geprägt und ist ein Zukunftsfaktor für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft. Diese gesellschaftliche Realität und Wertschätzung muss sich auch im Unterricht an den Schulen widerspiegeln. Ich freue mich, dass wir das Mercator Forum für Migration und Demokratie mit seiner Expertise dafür gewinnen konnten, die Darstellung von Vielfalt, Migration und Integration in Lehrplänen zu untersuchen, entsprechende Empfehlungen zu erarbeiten und damit einen wichtigen Beitrag für die politische Bildung zu leisten.“


06.09.2020

Ziel: "Entlegitimierung von Demokraten"

MIDEM-Direktor Hans Vorländer im ZDF-Interview zu den Corona-Demonstrationen für Berlin direkt.

Das Interview in voller Länge finden sie hier. 

Zum entsprechenden Beitrag zur Sendung gelangen sie hier


31.08.2020

Hans Vorländer im Interview mit Matthias Klein, AufRuhr - Das Magazin der Stiftung Mercator

„Als Gesellschaft viel geschafft“

Die Formulierung von Angela Merkel ging um die Welt: „Wir schaffen das“, sagte die Bundeskanzlerin heute vor fünf Jahren. Zunächst habe die mutige Ansage Zuversicht vermittelt, sagt Hans Vorländer, Direktor des Mercator Forums Migration und Demokratie (MIDEM), im Interview. Die Formulierung habe aber auch zur Polarisierung beigetragen.

Herr Vorländer, Angela Merkel sagte vor fünf Jahren den Satz „Wir schaffen das“. Ist das aus Ihrer Sicht einer der historischen Sätze in der Geschichte der Bundesrepublik?

Hans Vorländer: Ganz ohne Frage, er wird in die Geschichtsbücher eingehen. Es war damals eine mutige Ansage. Eine, die die Pragmatik des Handelns befeuerte und die die großen Belastungen, die Zuwanderung auch bedeutet, mit Zuversicht versehen hat. Und es kommt ein Aspekt hinzu: Es ist ein Satz, der in der Folgezeit besonders umstritten war. Er hat schließlich zur Polarisierung des Diskurses beigetragen.

Warum hat ausgerechnet dieser Satz eine solche Bedeutung bekommen?

Vorländer: Der Satz reflektierte die damalige Willkommenskultur. Er stand für Mut und Zuversicht mit Blick auf die Aufnahme der Geflüchteten. Dieser Satz war nicht nur für Deutschland, sondern auch international ein Zeichen, dass Deutschland bereit ist, Geflüchtete aufzunehmen. Die Aufnahme und die Tatkraft der Unterstützung haben Deutschland international großes Ansehen gebracht. Das ist bis heute so: Wenn man im Ausland ist, wird das als entscheidender Punkt gesehen. Dieser Satz definiert ein positives Bild von Angela Merkel und der Bundesrepublik.

Sie haben die Polarisierung angesprochen. Im Sommer und Herbst 2015 eskalierten Proteste, es kam zu Anschlägen. Was bedeutete das für die Rechtspopulisten?

Vorländer: Zunächst war die Willkommenskultur vorherrschend. Und das spiegelte sich auch in den wichtigen Medien wider. Ängste, Befürchtungen, auch Ressentiments wurden nicht abgebildet. Diejenigen, die so dachten, fühlten sich im öffentlichen Bild, in der Politik, in den Medien nicht repräsentiert. Das hat zu einem Aggressionsstau geführt. Hier setzten rechtspopulistische und rechtsextreme Kräfte an: Sie instrumentalisierten Ängste und Befürchtungen vor ungesteuerter Zuwanderung. Gerade bei den Demonstrationen war eine zunehmende Verrohung des Diskurses zu beobachten. Von der Volksverhetzung und der Verächtlichmachung des politisch-medialen Establishments war es dann nur ein kurzer Weg zu physischer Gewalt. Durch den verrohten Diskurs waren die Grenzen nicht nur des Sagbaren, sondern auch des Handelns verschoben worden.

Was bedeutete diese Entwicklung inhaltlich für die AfD?

Vorländer: Pegida auf der Straße und die AfD in den Parlamenten bespielten die negativen Konnotationen von Migration zu dieser Zeit exklusiv. Damit konnten sie mobilisieren. Gleichzeitig gingen ganz unterschiedliche Gruppierungen gegen die Migrationspolitik auf die Straße. Es gab tatsächlich „besorgte Bürger“, die befürchteten, dass sich die Zuwanderung nicht kontrollieren ließe. Den Steuerungsverlust der staatlichen Organe befürchteten viele in der Bevölkerung, das zeigten die Umfragen damals.

Sie sagen, Teile der Bevölkerung fühlten sich damals nicht repräsentiert. Wie hätten die anderen Parteien agieren müssen, um eine solche Entwicklung zu verhindern?

Vorländer: Das ist eine schwierige Frage. Was man sicherlich sagen kann: Man hätte die unterschiedlichen Sichtweisen stärker thematisieren können. Die Medien hätten sich früher für die streitigen Diskurse öffnen müssen. Das war erst später der Fall, es kamen dann auch andere Stimmen stärker zu Wort. Ein zweiter Aspekt ist wichtig. Man hätte früher von der Moralisierung der unterschiedlichen Positionen Abstand nehmen sollen. Die Etikettierung der Protestierenden als „Pack“ oder als „Faschisten“ hat wesentlich zur Verstärkung der Proteste beigetragen, weil sich diejenigen nicht ernst genommen fühlten. Ich habe das hier in Sachsen beobachtet, andernorts war es genauso. Insofern hätten die anderen Parteien sensibler auf die Ängste und Befürchtungen reagieren sollen, ohne die klaren Grenzen zu rechtsextremen Positionen und Gewalt zu verkennen.

Lassen Sie uns zum Schluss noch einmal auf den Satz „Wir schaffen das“ zurückkommen. Wie sehen Sie das, haben wir es als Gesellschaft – Stand heute – geschafft?

Vorländer: Integration ist eine Daueraufgabe. Man kann nie sagen, dass man das jetzt geschafft hat. Ich glaube, wir sind sehr gut mit der Aufgabe umgegangen, wir haben eine ganze Menge geschafft. Die Länder und die Kommunen haben sehr pragmatisch agiert. Sie haben zusammen mit der Zivilgesellschaft sehr viel geschafft, gerade wenn man die großen Bereiche Wohnen, Ausbildung und Beruf anschaut. Viele der Menschen, die damals nach Deutschland kamen, sind inzwischen in Ausbildung oder haben einen sozialversicherungspflichtigen Job. Nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. Die Bilanz fällt positiv, wenngleich nicht perfekt aus.

mehr zum Thema Migration und Populismus finden Sie im MIDEM-Jahresbericht 2018 - hier


MIDEM Länderbericht
Tschechien

Kristina Chmelar
21.07.2020

Die tschechische Bevölkerung zählt zu den migrationskritischsten in ganz Europa. Fast alle politischen Gruppierungen des Landes bemühen immer wieder migrationsskeptische, bisweilen auch migrationsfeindliche Argumente. Auf europäischer Ebene kooperiert Tschechien dabei im Rahmen der Visegrád-Gruppe eng mit Polen, Ungarn und der Slowakei. Von den kulturliberalen und eher migrationsfreundlichen Positionen der EU und Deutschlands grenzen sich die Ostmitteleuropäer vehement ab. Dem gegenüber steht nur ein kleiner Teil der Bevölkerung, der aufnahmebereit gegenüber Flüchtlingen ist und kulturelle Vielfalt wertschätzt. Konsequenzen hat diese Konstellation in innenpolitischer wie in außenpolitischer Hinsicht. Der Länderbericht Tschechien gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Facetten des tschechischen Migrationsdiskurses und versucht so die Anti-Migrationshaltung zu erklären.


MIDEM Policy Brief
Die Präsidentschaftswahl in Polen 2020

Marta Kozłowska
26.06.2020

Am 28.06.2020 wählt Polen einen neuen Präsidenten. Diese Wahl sollte eigentlich bereits am 10. Mai stattfinden, doch die Covid-19-Pandemie machte diese Pläne zunichte. Dennoch hielt die PiS-geführte Regierung am ursprünglichen Wahltermin fest und stürzte Polen damit in ein verfassungsrechtliches Chaos. Inwiefern die Entwicklungen der letzten Monate dem amtierenden Präsidenten Andrzej Duda am Ende seine Präsidentschaft kostet, ist noch nicht abzusehen. Eine detaillierte Aufarbeitung der Geschehnisse vor der Wahl finden Sie hier.


16.06.2020

Stiftung Mercator fördert MIDEM weitere vier Jahre

Mit 4,5 Millionen Euro fördert die Stiftung Mercator das Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) an der TU Dresden für weitere vier Jahre.  Unter der Leitung von Prof. Dr. Hans Vorländer untersucht MIDEM seit 2017 die politischen und sozialen Wirkungen von weltweiten Migrationsbewegungen auf Demokratie, Institutionen und Kulturen in europäischen Gesellschaften. MIDEM hat seine Forschungsergebnisse seitdem durch zahlreiche Publikationen, Veranstaltungen und in Beratungsgesprächen der Fachwelt und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

„Das Mercator Forum Migration und Demokratie hat seit seiner Gründung grundlegende Forschungsarbeit geleistet und wichtige Impulse und Handlungsempfehlungen für die Praxis geben können“, sagt MIDEM-Direktor Hans Vorländer. „Wir freuen uns, dass wir dank der großzügigen Unterstützung der Stiftung Mercator unsere Arbeit weiterführen können.“

 „Wir setzen uns für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und ein handlungsfähiges Europa ein. Für beides war die Auseinandersetzung um den richtigen Umgang mit Flucht und Migration in den letzten Jahren ein Prüfstein,“ so Dr. Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator. „MIDEM trägt dazu bei, Ursachen für Spaltungen und Konflikte in Deutschland und Europa besser zu verstehen. Es macht seine Forschung auch einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und erarbeitet wichtige Ansatzpunkte für Politik und Praxis.“

MIDEM ist Teil eines internationalen Forschungsnetzwerks und beschäftigt rund 30 Personen, darunter viele junge Forscherinnen und Forscher aus zahlreichen europäischen Ländern. „MIDEM ist ein wesentlicher Baustein der Geistes- und Sozialwissenschaften der TU Dresden und trägt entscheidend dazu bei, den Potenzialbereich Gesellschaftlicher Wandel strategisch weiter auszubauen“, betont Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden.

Bisher analysierte MIDEM die Auswirkungen von Migration auf demokratische Diskurse, Akteure und Kulturen und erstellte eine europäische Landkarte politischer und soziokultureller Konflikte. Künftig soll der Fokus stärker auf die demokratische Verarbeitung von Migration, auf institutionelle Steuerungs- und Interaktionsprozesse und auf die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure gelegt werden.

Nachdem sich seit 2017 die Forschung vor allem auf die Ankunft von Flüchtlingen in Europa und die damit einhergehenden Konflikte in Europa konzentrierte, will MIDEM in den nächsten Jahren den Fokus stärker auf die demokratischen Entscheidungsprozesse und die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure in den Regionen richten. Dabei werden auch die innereuropäischen Prozesse der Ab- und Zuwanderung, zum Beispiel der Arbeitsmigration von Ost- nach Westeuropa und auch die der Entvölkerung ländlicher Gebiete zugunsten urbaner Zentren stärker in den Blick genommen.


Aktuelle Medienbeiträge

20.09.2020, Deutschlandfunk Nachrichten
Seehofer bereitet Studie zu Rassismus in der ganzen Gesellschaft vor
mit einem Statement von Hans Vorländer

20.09.2020, Deutschlandfunk
Polizei und Staatstreue - Interview mit Hans Vorländer über demokratische Minima
Interview mit Hans Vorländer

12.09.2020, Red & Black online
Fifteen years in power: the secret of Angela Merkel, “champion of crises”
mit Statements von Hans Vorländer

12.09.2020, La Presse
Quinze ans au pouvoir: le secret d’Angela Merkel, «championne des crises»
mit Statements von Hans Vorländer

08.09.2020, Süddeutsche Zeitung (auch erschienen u.a. in Berliner Morgenpost, Donaukurier, Freie Presse, Berliner Zeitung, Berlin.de, RTL.de)
Studie zu Migration und Integration in Schullehrplänen

06.09.2020, zdf
Ziel: "Entlegitimierung von Demokraten"
Interview mit Hans Vorländer

Weitere Medienbeiträge finden Sie hier.


Mercator Forum Migration und Demokratie

In den letzten Jahrzehnten hat sich die demographische Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Zuwanderung deutlich gewandelt. Die Zahl der Einwanderer ist in Europa spürbar gewachsen, und insbesondere in den vergangenen drei Jahren hat das Thema Migration in den Gesellschaften Europas zu neuen politischen Polarisierungen geführt. Die politischen und sozialen Herausforderungen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar. Notwendig sind Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Migration und Demokratie erforschen.

Das Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM) fragt danach, wie Migration demokratische Politiken, Institutionen und Kulturen prägt und zugleich von ihnen geprägt wird. Untersucht werden Formen, Instrumente und Prozesse politischer Verarbeitung von Migration in demokratischen Gesellschaften – in einzelnen Ländern und im vergleichenden Blick auf Europa.

MIDEM ist ein Forschungszentrum der Technischen Universität Dresden in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen, gefördert durch die Stiftung Mercator. Es wird von Prof. Dr. Hans Vorländer, TU Dresden, geleitet.

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