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Aktuelles


21. Juni 2021

Neue MIDEM-Studie auf breite Medienresonanz gestoßen

Die Veröffentlichung der neuen MIDEM-Studie "COVID-19 in Sachsen. Sozialräumliche und politisch-kulturelle Rahmenbedingungen des Pandemiegeschehens." stieß auf eine breite Medienresonanz. Einen Auszug aus der medialen Berichterstattung finden Sie hier:

18.06.2021, Leipziger Zeitung
Gesundheitsministerin bewertet regionale und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse der MIDEM-Studie

17.06.2021, Blick.de
Gespaltene Akzeptanz der Sachsen für Corona-Maßnahmen und Impfungen

17.06.2021, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Auf der Suche nach dem Kernland der Querdenker

17.06.2021, Leipziger Zeitung
MIDEM-Studie zu COVID-19 in Sachsen: Ein Völkchen zwischen Corona-Verschwörung und hoher Impfbereitschaft

17.06.2021, Mitteldeutsche Zeitung
Impf-Skepsis, Verschwörungsdenken und Regierungskritik: Lager der Corona-Kritiker in Sachsen stark ausgeprägt

17.06.2021, Redaktionsnetzwerk Deutschland
​​​​​​​Studie: Sachsen ist nicht das Land der Querdenker und Impf-Skeptiker

16.06.2021, DNN
Erste regionale Studie: So bewerten Sachsen die Corona-Maßnahmen, die Impf-Kampagne und die „Querdenker“

16.06.2021, Sachsen.de
Gesundheitsministerin bewertet regionale und sozialwissenschaftliche Erkenntnisse der MIDEM-Studie

16.06.2021, BILD
Fast jeder zweite Sachse glaubt an Impf-Verschwörung

16.06.2021, Die Sachsen
Lager der Corona-Kritiker in Sachsen stark ausgeprägt

16.06.2021, Freie Presse (auch erschienen u.a. bei n-tv, RTL, Sueddeutsche Zeitung, t-online, Welt, ZEIT )
Sachsen gespalten bei Einstellung zu Corona-Maßnahmen

16.06.2021, Informationsdienst Wissenschaft
Neue MIDEM-Studie zeichnet differenziertes Stimmungsbild über die Einschätzung der Covid-19-Maßnahmen in Sachsen

16.06.2021, Leipziger Volkszeitung
Erste regionale Studie: So bewerten Sachsen die Corona-Maßnahmen, die Impf-Kampagne und die „Querdenker“

16.06.2021, MDR 
Neue Studie zu Corona-Maßnahmen in Sachsen zeigt ein gespaltenes Land

16.06.2021, MDR
Studie belegt ausgeprägte Corona-Kritik in Sachsen

16.06.2021, MDR Sachsenspiegel
Fast die Hälfte der Sachsen mit Corona-Management unzufrieden

16.06.2021, Sächsische Zeitung
Besonders viele Corona-Kritiker in Sachsen

16.06.2021, Tag24
Sachsen, Land der "Querdenker"? So denken die Bürger übers Impfen und die Corona-Regeln

16.06.2021, TU Dresden
NEUE MIDEM-STUDIE ZEICHNET DIFFERENZIERTES STIMMUNGSBILD ÜBER DIE EINSCHÄTZUNG DER COVID-19- MASSNAHMEN IN SACHSEN


16. Juni 2021

Erste repräsentative Studie zu den sozialräumlichen und politisch-kulturellen Rahmenbedingungen von Corona in Sachsen: Starke Verbreitung von Impfskepsis, Regierungskritik und Verschwörungsdenken. Deutliche Unterschiede zwischen Nord-, Südwest und Ostsachsen

Neue MIDEM-Studie zeichnet differenziertes Stimmungsbild über die Einschätzung der Covid-19-Maßnahmen in Sachsen

Seit anderthalb Jahren wird Sachsen von der Pandemie bestimmt und zählte im Winter 2020/2021 zu einer der Regionen Deutschlands mit den höchsten Inzidenzwerten. Vor diesem Hintergrund wurde vielfach vermutet, dass gerade in Sachsen bestimmte sozialräumliche und politisch-kulturelle Faktoren die Infektionslage zusätzlich verschärft haben. Ist Sachsen also das ‚Kernland der Querdenker‘ mit einer ‚renitenten‘ Bevölkerung?

Dieses Bild ist zurückzuweisen. Die Einstellungen der Sächsinnen und Sachsen zur Corona-Politik unterscheiden sich insgesamt nicht grundlegend von denen in Gesamtdeutschland. Allerdings ist gerade in Sachsen das Lager der Corona-Kritiker stark ausgeprägt. Knapp die Hälfte der Bevölkerung ist mit dem staatlichen Corona-Management unzufrieden. 30 Prozent der Sächsinnen und Sachsen bewerten die seit Anfang 2020 ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus als „nicht sinnvoll“. 42 Prozent zeigen Verständnis für die Corona-Proteste, 20 Prozent wollen sich „eher nicht“ oder „auf keinen Fall“ gegen COVID-19 impfen lassen, 22 Prozent neigen gar einem Corona-bezogenem Verschwörungsdenken zu.

Zu diesem Ergebnis kommt die vom Mercator Forum Migration und Demokratie und dem Zentrum für Verfassungs- und Demokratieforschung durchgeführte Studie über die Einschätzung der Bürgerinnen und Bürger zu den Corona-Maßnahmen im Bundesland.

Ziel der Untersuchung war es, die bereits bestehenden Forschungsergebnisse aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaft um den Einfluss der soziodemographischen und sozialräumlichen Rahmenbedingungen des Pandemiegeschehens in Sachsen zu ergänzen.

Die Ergebnisse zeichnen ein gespaltenes Bild, erklärt der Studienleiter und MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer: „Auf der einen Seite zeigt sich eine knappe Mehrheit mit dem Corona-Management von Bundesregierung und sächsischer Landesregierung zufrieden. Rund die Hälfte der Sächsinnen und Sachsen bedauert es gar, dass die Politik bei der Bekämpfung der Pandemie ‚nicht härter durchgegriffen‘ hat. Eine überwältigende Mehrheit von 74 Prozent der Befragten findet es außerdem gut, wenn ‚die Politik in der Krise vorrangig dem Rat etablierter Wissenschaftler und Experten folgt‘.“

Vorländer führt weiter aus: „Auf der anderen Seite ist ein großer Teil der Bevölkerung kritisch. Die Hälfte der Sachsen glaubt etwa, dass die Gefahr, die vom COVID-19-Virus ausgeht, in den Medien übertrieben wird. 44 Prozent vermuten, dass die Regierung ‚aus Rücksicht auf die Pharmalobby […] mögliche Nebenwirkungen und Langzeitschäden der Corona-Impfstoffe‘ verschweigt. 35 Prozent sind der Meinung, die Regierung nutze die Pandemie als Vorwand, ‚um die Überwachung der Bürger voranzutreiben‘.“

Bemerkenswert ist, dass die Urteile über Corona-Maßnahmen, Impfung und Regierungshandeln je nach Region, sozialer Gruppe und politischer Orientierung höchst unterschiedlich ausfallen. Insbesondere Ost- und Südwestsachsen zeigen hier deutliche Auffälligkeiten: „In allen Bereichen der Ablehnung oder Kritik der Corona-Maßnahmen wiesen die Befragten insbesondere in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Erzgebirge besonders hohe, in den Landkreisen Leipzig, Nordsachsen und Vogtland besonders niedrige Werte auf“, so der Co-Autor der Studie, Maik Herold.

Für die Erhebung wurden in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut dimap insgesamt 1.008 Personen über 18 Jahre im Zeitraum vom 10. bis 15. Mai 2021 befragt. Die Ergebnisse wurden repräsentativ für Sachsen sowie vier Regionen Sachsens erhoben (Nordsachsen, Ostsachsen, Südwestsachen sowie die sächsischen Großstadtregionen) und nach Alter, Geschlecht, Bildung und Population gewichtet.

Die Studie „COVID-19 in Sachsen. Sozialräumliche und politisch-kulturelle Rahmenbedingungen des Pandemiegeschehens.“ liefert erstmalig repräsentative Ergebnisse zur Einstellung der sächsischen Bevölkerung zu den Corona-Schutzmaßnahmen und gibt Aufschluss über die Bedeutung der sozialräumlichen Verteilung und der politisch-kulturellen Faktoren in der Einschätzung und Bewertung des Pandemiegeschehen und der Maßnahmen zu deren Eindämmung.

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21.05.2021, AufRuhr

Unabkömmlich, aber prekär

Die deutsche Landwirtschaft ist auf Arbeitsmigration aus Mittel- und Osteuropa angewiesen. Im Zuge der Covid-19-Pandemie offenbarten sich die prekären Arbeits- und Wohnverhältnisse der saisonal angestellten Arbeitskräfte. Unser Gastautor Manès Weisskircher erklärt: Die Politik hat offene Hausaufgaben.

Die deutsche Landwirtschaft verlässt sich seit Langem auf Saisonarbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa: Rund 300.000 Erntehelfer*innen wirken jedes Jahr in deutschen Betrieben. Die meisten von ihnen stammen vermutlich aus Rumänien und, mit Abstand, Polen. Ihre harte, schlecht bezahlte Arbeit findet normalerweise nicht die Aufmerksamkeit einer breiteren Öffentlichkeit. Das änderte die Covid-19-Pandemie. Ob taz oder Frankfurter Allgemeine Zeitung – über die Erntehilfe und die Arbeitsbedingungen ihrer Saisonkräfte wurde im Corona-Jahr 2020 regelmäßig berichtet.

Arbeitskräftemangel: rasch reagiert

Der Grund – ein akutes Problem: Auf Grund der pandemiebedingten Einreisebeschränkungen drohte der deutschen Landwirtschaft ab März 2020, kurz vor Beginn der Spargelernte, die Gefahr eines massiven Arbeitskräftemangels. Viele Erntehelfer*innen konnten einfach nicht einreisen. Der Spiegel fragte Ende März sogar: „Fällt in diesem Jahr die Ernte aus?“. Die deutsche Politik reagierte rasch mit einer Reihe an Maßnahmen. Zentral waren dabei nicht nur spezielle Einreisemöglichkeiten für Erntehelfer*innen, inklusive der Organisation von Flugverbindungen, sondern auch die temporäre Liberalisierung des Arbeitsmarktes: Die Saisonarbeit ist als kurzfristige Beschäftigung (70 Tage im Jahr) nicht sozialversicherungspflichtig. Im Jahr 2020 wurde diese mögliche Zeitspanne vorübergehend auf 115 Tage erhöht.

Prekäres Wohnen und Arbeiten: War da was?

Die Debatte war jedoch auch von einem weiteren Thema geprägt: den prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen der Erntehelfer*innen. Kein akutes, sondern ein langfristiges Problem, das seit Jahren von zivilgesellschaftlichen und vor allem gewerkschaftlichen Organisationen bemängelt wird. Aktivist*innen berichten über massive Missstände, wie die Untergrabung des Mindestlohns, fehlende finanzielle Kompensation im Krankheitsfall, oder überteuerte und notdürftige Unterbringung. Auch Mehrarbeit auf Grund einer geringeren Anzahl an Arbeitskräften und mangelnde Hygienestandards am Arbeitsplatz und in den Unterbringungen wurden thematisiert.

Im Gegensatz zu ihrem raschen Handel angesichts des drohenden Arbeitskräftemangels reagierte die deutsche Politik hier nur zögerlich. Die wichtigste Maßnahme war das so genannte Arbeitsschutzkontrollgesetz, das Werkverträge und Zeitarbeit für große Schlachtbetriebe verbietet und die Frequenz betrieblicher Kontrollen erhöht. Die Fleischindustrie zählt jedoch nicht zur landwirtschaftlichen Saisonarbeit, da sie permanent tätig ist. Diese neue Mindestbesichtigungsquote von fünf Prozent bei behördlichen Kontrollen gilt zwar auch für andere landwirtschaftliche Betriebe, aber erst ab dem Jahr 2026.

Es gibt noch viel zu tun

Eine wesentliche Herausforderung für die objektive Bewertung von Quantität und Qualität landwirtschaftlicher Saisonarbeit ist das Fehlen harter statistischer Daten. Im Moment gibt es von Seiten staatlicher Einrichtungen keine solchen Daten zum Ausmaß der innereuropäischen landwirtschaftlichen Arbeitsmigration nach Deutschland, den Herkunftsländern und dem soziodemografischen Profil der Arbeitskräfte. Ebenso fehlen Informationen zu den Arbeits- und Wohnverhältnissen der Betroffenen: Wie systematisch sind die angeprangerten Missstände? Die Verfügbarkeit solcher Informationen würde evidenzbasiertes Vorgehen erlauben, um Arbeitskräftemangel vorzubeugen, und prekäre Arbeits- und Wohnverhältnisse zu regulieren.

Das MIDEM Policy Paper „Arbeitsmigration während der Corona-Pandemie. Saisonarbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa in der deutschen Landwirtschaft“ ist hier verfügbar.


04.05.2021

Pressemitteilung zum Jahresgutachten des Sachverständigenrat für Integration und Migration:

Normalfall Diversität? Wie das Einwanderungsland Deutschland mit Vielfalt umgeht

Damit aus Herkunftsunterschieden keine sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten werden, muss in Deutschland integrationspolitisch nachgesteuert werden. In seinem diesjährigen Jahresgutachten gibt der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) Empfehlungen, wie politische Partizipation gestärkt und Teilhabe am Arbeitsmarkt in Deutschland verbessert werden kann.

Berlin, 4. Mai 2021. Anlässlich der anstehenden Bundestagswahl stellt sich die Frage, wie in einer Gesellschaft, die unter anderem durch Migration vielfältiger geworden ist, Chancengleichheit und politische Teilhabe besser realisiert werden können. „Wir wollten wissen, wie diese Vielfalt in Kernbereichen des gesellschaftlichen Lebens in Deutschland gehandhabt wird und wie die Bevölkerung zu Diversität steht. Denn obwohl viele Menschen unabhängig von ihrer Herkunft an der Weiterentwicklung der deutschen Gesellschaft mitwirken, gibt es bei der Ausübung von Teilhaberechten und -möglichkeiten unter anderem in Politik, Kultur und auf dem Arbeitsmarkt noch Anpassungsbedarf,“ sagt Prof. Dr. Petra Bendel, Vorsitzende des SVR, bei der Vorstellung des Jahresgutachtens 2021.

Politische Partizipation stärken
Die Empfehlung des Sachverständigenrats ist deshalb klar: Die Politik muss vermeiden, dass aus Herkunftsunterschieden Teilhabeungleichheiten werden. Im Wahljahr 2021 gelte dies gerade auch für den Bereich der politischen Partizipation. Denn: Der Wahlakt setzt die deutsche Staatsangehörigkeit und auf der kommunalen Ebene die EU-Bürgerschaft voraus.

Inwieweit Zugewanderte am politischen Prozess teilhaben können, hängt also entscheidend davon ab, ob sie sich einbürgern lassen können und wollen. Im Vergleich zu anderen Einwanderungsländern gehen in Deutschland allerdings nur wenige Ausländerinnen und Ausländer diesen Schritt. 2019 waren es zum Beispiel nur 2,5 Prozent derjenigen, die die Voraussetzungen dafür erfüllten. Die rechtlich gegebenen Einbürgerungsmöglichkeiten müssen in der Praxis deshalb mehr genutzt werden, so der SVR. „Viele Länder und Kommunen haben es vorgemacht – mit gezielten Informationskampagnen und der Einführung von festlichen Einbürgerungszeremonien. Damit erhöhen sie die Einbürgerungszahlen und zeigen den Neubürgerinnen und Neubürgern, dass sie zu Deutschland gehören,“ erklärt der stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Daniel Thym.

Weiter fordert der SVR, dass Parteien stärker auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte eingehen und sie besser in Prozesse einbinden – zum Beispiel im Rahmen einer Kandidatur bei Wahlen. Zudem solle die Frage, ob Drittstaatsangehörige ein kommunales Wahlrecht erhalten könnten, verfassungsrechtlich geprüft werden. Über Generationen hinweg zeige sich eine Angleichung in Bezug auf politische Partizipation. „Auch wenn Zugewanderte der ersten Generation sich oft noch zurückhaltend an politischen Prozessen beteiligen, gestalten ihre Kinder die deutsche Gesellschaft bereits entscheidend mit“, stellt die Vorsitzende Petra Bendel fest.

Zugang herkunftsunabhängig gestalten
Auf dem Arbeitsmarkt ist der Anteil von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in den vergangenen Jahren gestiegen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass in bestimmten Schlüsselbereichen – zum Beispiel dem Gesundheitssystem – auf die Mitarbeit von Beschäftigten mit Migrationshintergrund nicht mehr verzichtet werden kann. Mittlerweile haben ein Viertel aller Beschäftigten eine eigene oder familiäre Zuwanderungsgeschichte. „Trotzdem sind viele von ihnen nach wie vor benachteiligt, arbeiten in atypischen Beschäftigungsverhältnissen und erzielen im Durchschnitt ein geringeres Einkommen. Aufgrund ihrer Ausbildung oder komplizierten Anerkennungsverfahren können sie oft keine höheren formalen Qualifikationen nachweisen. Hinzu kommen Diskriminierung, fehlende berufliche und soziale Netzwerke oder unzureichende Sprachkenntnisse“, erklärt Bendel.

Während sich einige, vor allem international tätige privatwirtschaftliche Unternehmen um mehr Vielfalt innerhalb ihrer Belegschaft bemühen, hinke der öffentliche Dienst noch hinterher, stellt der SVR fest und empfiehlt mit Hospitationsangeboten, Praktika und entsprechenden Informationsangeboten gezielt Menschen mit Migrationshintergrund anzusprechen. Zudem sollten staatlich finanzierte Kultur- und Bildungseinrichtungen weiter geöffnet und zusätzliche Angebote aus Kultur und Zivilgesellschaft finanziell mehr unterstützt werden. So könne der Zugang herkunftsunabhängig gestaltet werden.

Rassismus eingehender untersuchen
Dass Deutschland ein Einwanderungsland ist, gilt inzwischen als allgemein akzeptiert, wie Langzeitdaten zeigen. „Zuwanderung wird verstärkt als Bereicherung empfunden. Ungleichbehandlung aufgrund von Herkunft lehnen die Menschen vermehrt ab“, fasst die Sachverständige Prof. Dr. Claudia Diehl die Untersuchungsergebnisse zusammen. Dennoch gibt es nach wie vor Diskriminierung bspw. auf dem Wohnungs- und Ausbildungsmarkt. Studien belegen dies. Und auch wenn klassisch rassistische Einstellungen – also die Vorstellung, dass bestimmte Menschen von Natur aus minderwertig seien – kaum mehr auf Zustimmung stoßen, finden subtilere rassistische Aussagen, die auf kulturelle Merkmale zurückgeführt werden, noch Akzeptanz. Hier stellt der SVR einen klaren Forschungs- und Handlungsbedarf fest. Der Staat solle zudem als Vorbild agieren und etwa durch Fortbildungen innerhalb seiner Institutionen stärker für Rassismus und Diskriminierung sensibilisieren.

Über den Sachverständigenrat
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration ist ein unabhängiges und interdisziplinär besetztes Gremium der wissenschaftlichen Politikberatung. Mit seinen Gutachten soll das Gremium zur Urteilsbildung bei allen integrations- und migrationspolitisch verantwortlichen Instanzen sowie der Öffentlichkeit beitragen. Dem SVR gehören neun Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen und Forschungsrichtungen an: Prof. Dr. Petra Bendel (Vorsitzende), Prof. Dr. Daniel Thym (Stellvertretender Vorsitzender), Prof. Dr. Viola B. Georgi, Prof. Dr. Marc Helbling, Prof. Dr. Birgit Leyendecker, Prof. Dr. Steffen Mau, Prof. Panu Poutvaara, Ph.D., Prof. Dr. Sieglinde Rosenberger und Prof. Dr. Hans Vorländer.

Das SVR-Jahresgutachten 2021 finden Sie hier: https://www.svr-migration.de/publikationen/jahresgutachten-2021/


28.04.2021

MIDEM Policy Paper
Ansprüche auf Gesundheitsleistungen für Asylsuchende in Deutschland

Katja Lindner

Die Würde des Menschen ist unantastbar – wird dieses Gebot auch bei der gesundheitlichen Versorgung von Asylsuchenden in Deutschland eingehalten? Bei der Aufnahme von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern kommt der Frage nach körperlicher und psychischer Ge­sundheit eine fundamentale Bedeutung zu. Gesundheit ist eine Bedingung erfolgreicher Integration in die Gesellschaft. Die gesundheitliche Versorgung ist geregelt durch das bundesdeutsche Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Die Bundesregierung sieht allein die Länder in der Verantwortung für die Interpretation und Umsetzung des AsylbLG. Dabei kommt sie bei der Frage der Gesundheitsversorgung von Asylsuchenden jedoch ihren eigenen Hausaufgaben nicht nach: Seit 2015 ist in Deutschland zwingend die EU-Aufnahmerichtlinie von 2013 umzusetzen. Dies hat Auswirkungen auf die medizinische Versorgung von Asylsuchenden. So bleibt nur die unmittelbare Rechtswirkung, die vor Gericht durchgesetzt werden kann. Die Pflicht zur Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie von 2013 erhöht einen bereits bestehenden Reformdruck auf Bundesebene. Unbestimmte Rechtsbegriffe und eine unzureichende Berücksichtigung chronischer Erkrankungen im AsylbLG stehen seit längerer Zeit in der Kritik. Auch sind im bundesdeutschen AsylbLG weder die Leistungsansprüche besonders schutzbedürftiger Asylsuchender nach Definition der EU-Aufnahmerichtlinie geregelt, noch gibt es Hinweise zum Umgang mit erkrankten besonders schutzbedürftigen Asylsuchenden, die leistungsrechtlichen Sanktionen unterliegen. Hier aber bestehen verfassungsrechtliche Zweifel an der gegenwärtigen Praxis, weil mit den Sanktionsregelungen Fragen des menschenwürdi­gen Existenzminimums berührt sind. Das Policy Paper gibt einen Überblick über die rechtlichen Rahmen­bedingungen auf nationaler und supranationaler Ebene und weist unter Einbeziehung von wissenschaftlichen Forschungsbefunden Handlungsempfehlungen aus.

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15.04.2021

MIDEM Policy Paper
Arbeitsmigration während der Corona-Pandemie

Manès Weisskircher

„Der Spargel ist sicher“ – so heißt es. Aber wie steht es um die Sicherheit der Saisonarbeitskräfte? Die deutsche Landwirtschaft ist seit langem auf saisonale Arbeitsmigration aus Mittel- und Osteuropa angewiesen. Im Zuge der Corona-Pandemie stand dieses Modell auf dem Prüfstand. Zum ersten Mal wurden die Probleme der landwirtschaftlichen Arbeitsmigration öffentlich sichtbar und medial diskutiert. Vor allem die plötzliche Gefahr des Arbeitskräftemangels stand im Mittelpunkt der Debatte. Weniger war die Rede von den prekären Arbeits- und Wohnverhältnissen der mittel- und osteuropäischen Saisonarbeitskräfte, und die Frage ihres Schutzes in Zeiten der Pandemie blieb weitgehend unbeantwortet. Wiederholen sich jetzt, wo die Spargelernte ansteht, die Probleme des Vorjahres? Das aktuelle Policy Paper "Arbeitsmigration während der Corona-Pandemie. Saisonarbeitskräfte aus Mittel- und Osteuropa in der deutschen Landwirtschaft" bietet einen Überblick zur Diskussion der Erntehilfe in Deutschland.

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Aktuelle Medienbeiträge

19.07.2021, Sächsische Zeitung
"Die SPD im Osten war nie eine Volkspartei"
mit Statements von Hans Vorländer

18.07.2021, Freie Presse
Ein Bürgerrat soll der Sächsischen Regierung beim Umgang mit Corona helfen
mit Statements von Hans Vorländer

17.07.2021, MDR
Sächsischer Bürgerrat diskutiert die Folgen von Corona
mit Statements von Hans Vorländer

17.07.2021, Süddeutsche Zeitung
Bürgerrat gestartet: Mittler zwischen Bürgern und Politik
mit Statements von Hans Vorländer

16.07.2021, WDR 5
Hochwasser: "Trösten ist eine wichtige Funktion"
Interview mit Hans Vorländer

Weitere Medienbeiträge finden Sie hier.


Mercator Forum Migration und Demokratie

In den letzten Jahrzehnten hat sich die demographische Zusammensetzung der europäischen Gesellschaften durch Zuwanderung deutlich gewandelt. Die Zahl der Einwanderer ist in Europa spürbar gewachsen, und insbesondere in den vergangenen drei Jahren hat das Thema Migration in den Gesellschaften Europas zu neuen politischen Polarisierungen geführt. Die politischen und sozialen Herausforderungen dieser Entwicklung sind noch nicht absehbar. Notwendig sind Untersuchungen, die den Zusammenhang zwischen Migration und Demokratie erforschen.

Das Mercator Forum für Migration und Demokratie (MIDEM) fragt danach, wie Migration demokratische Politiken, Institutionen und Kulturen prägt und zugleich von ihnen geprägt wird. Untersucht werden Formen, Instrumente und Prozesse politischer Verarbeitung von Migration in demokratischen Gesellschaften – in einzelnen Ländern und im vergleichenden Blick auf Europa.

MIDEM ist ein Forschungszentrum der Technischen Universität Dresden, gefördert durch die Stiftung Mercator. Es wird von Prof. Dr. Hans Vorländer, TU Dresden, geleitet.

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